Mittwoch, 18. August 2010

Alles nur geklaut

Wahrscheinlich gibt es 108 gute Gründe einen Blog zu schreiben und tausende von Möglichkeiten  die erste Seite zu füllen.  Bei mir fingen die Probleme aber schon viel früher an. Wie soll ich meinen Blog nennen? Small Town America? Zu nichtssagend. How to survive in America without speaking the language? Lustig, aber etwas sperrig und zu lang. One Year Abroad? Zu absolut, vielleicht bleibe ich länger und dann stehe ich wieder vor dem selben Problem. Blitzkrieg in Amerika? Eingängig, aber politisch etwas aufgeladen. Fast Food Tobi? Zu unsicher. Vielleicht gewinne ich ja tatsächlich meine Wette mit Bob und komme als ein einziger Muskel wieder. Animal House? Wohn zwar neben einer Verbindung, aber muss mal schaun, wegen meiner neuen Verantwortung als Lehrperson und so. Wie sich das anhört, neue Verantwortung als Lehrperson. Anscheinend werde ich tatsächlich erwachsen.  Hab mir jetzt sogar einen Terminplaner geholt und arbeite To-Do-Listen ab. Ach kleiner Jan, trotz des Verdacht auf Diskriminierung, wenn du mich nur gerade sehen könntest. Ich glaube, du wärst echt stolz auf mich.  Wie dem auch sei. Wegen dieser Problematik habe ich mich entschlossen mich erst mal dreist bei Vero zu bedienen und meinen Blog „However far away...“ zu nennen. Nicht nur, dass dieses Zitat einfach wahnsinnig schön ist, zum anderen bietet es großartige Assoziationsmöglichkeiten für jeden Leser. Für Nickel, zum Beispiel, könnte der Titel einfach bedeuten „However far away...I still hate you“. Nichtsdestotrotz werde ich euch, als unglaublich interaktives Feature, die Möglichkeit geben, selber Vorschläge für den Namen meines Blogs zu machen. Vorausgesetzt, dass ich bis dahin herausgefunden habe, wie das funktioniert, werde ich dann in ein paar Tagen alle möglichen Namen zur Abstimmung freigeben und schaun was dabei herauskommt.  Ihr, als geneigte Leser, könnte also im Prinzip jeden Namen zum Titel meines Blogs wählen. Wenn das kein Service ist. Soweit also zur Namensgebung. Die Angst vor weißen Blatt ist damit allerdings noch nicht ganz besiegt.  Bekanntlich gibt es dafür aber verschiedene Therapien. Eine Möglichkeit eine Text oder auch eine Hausarbeit zu  beginnen ist natürlich erst mal irgendwas zu definieren. Damit wirkt man sofort seriöser und das Ganze bekommt einen wissenschaftlichen Anstrich.  Am besten man nimmt dafür eine möglichst anerkannte Quellen, schauen wir also mal was Wikipedia dazu sagt: 

Ein Blog [blɔg] oder auch Web-Log [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], eine Wortkreuzung aus dem englischen World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt

Wenn einem dieser Anfang zu belanglos erscheint, oder man festgestellt hat, dass Dozenten diesen Anfang nicht unbedingt positiv in ihrer Notengebung einfließen lassen, gibt es natürlich ein weiteren Klassiker einen Text anzufangen. Diese Technik, bekannt geworden durch eine gewisse Ansch, wird häufig von Leute benutzt, die eigentlich gar keine Ahnung davon haben, worüber sie gerade schreiben. Mit der Einbindung von möglichst pompösen Zitaten wollen sie ihre Unwissenheit verbergen und gleichzeitig ihre Arbeit in die bisherige Forschung einbinden. (vgl. „Planare Graphen und die Eulerische Polyederformel“) Eine weitere Technik, bekannt aus Hildegunst von Mythenmetz bekannten Zamonischen Märchen „Ensel und Kretel“ , ist die Mythenmetsche Abschweifung.  Prinzipiell gibt diese Technik dem Autor die Freiheit zu schreiben, was immer ihm auch gerade in dem Sinn kommt ohne auf nur einen müden  Pfennig auf sein  Publikum zu geben. Der Leser wird dabei mit unglaublich belanglosen und überflüssigen Informationen gequält, kann aber gleichzeitig  nicht einfach den Abschnitt überspringen, da ihm stets die Gefahr droht auf übelste Weise beleidigt zu werden. Fangen wir also an: 

 Zurzeit sitze ich auf der Veranda meines Hauses. Und ja, ihr habt richtig gehört, ich bin jetzt stolzer Besitzer eines Hauses. Rein technisch gesehen gehört das Haus allerdings nicht mir, sondern allen Teaching Assistants. Immerhin habe ich aber meine Quadratmeterzahl verdoppelt und besitze ein eigenes Badezimmer. Wenn das kein Aufstieg ist! Neben mir auf der Veranda sitzt  Xavier, der französische TA. Vor einer Minuten habe ich ihn nach seinem Nachnamen gefragt, aber er möchte nicht, dass ich ihm mit vollem Namen in meinem Blog erwähne. Im Grunde ist er aber ein feiner Kerl. Wer „Almost Famous“ unter seinen Lieblingsfilmen hat, kann so schlimm auch nicht sein. Bei seinen vorherigen Stationen in London und Australien, hat Xavier auch immer einen Blog geschrieben. Irgendwann hat er aber damit aufgehört, da ihm die Leser abhanden gegangen sind. Gut zu wissen, wahrscheinlich wird mir das ja auch passieren. Von unserer Veranda haben wir auf jeden Fall einen wunderschönen Ausblick auf das College. Links und rechts, lugen zwei Bäume in unsere Veranda hinein und die ganze Luft ist erfüllt von dem Zirpen von Grashüpfern und Grillen. Inzwischen sind auch die Straßenlaternen angegangen. Das Haus selber, erinnert mich ein wenig an die Häuser aus den Büchern von Astrid Lindgren. Alles ist ein wenig verrottet, der weiße Lack ist überall etwas abgesplittert, aber gerade deswegen fühlt sich alles vertraut und heimisch an. Wenn man ganz leise ist, kann man das Haus sogar hören. Überall knarrt es ein wenig und irgendwo treibt auch eine Maus ihr Unwesen. Zurzeit trage ich meine zweit schönste Hose (die andere ist gerade in der Wäsche), meinen braunen Gürtel und mein weißes United T-Shirt.  Hab mir jetzt meine Kopfhörer geholt. Es läuft „Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt?“ von Clickclickdecker. Was ein großartiges Lied. Erinnert mich immer an den Abschied von Muff Potter. Die Luft riecht ein wenig nach Pommes. Unser Haus  liegt direkt neben zwei Verbindungen. Bis jetzt haben wir aber noch von keiner Party mitbekommen. Jetzt muss ich kurz den Bericht unterbrechen und einen Korkenzieher suchen...Hier bin ich wieder, wo war ich stehen geblieben? Achja, Alkohol und Amerika... das ist wirklich ein Thema für sich. In Austin war das kein Problem, da konnte man Alkohol praktisch an jeder Ecke kaufen. Die einzige gesetzliche Einschränkung war neben dem öffentlichen Konsum, dass es in Texas nicht erlaubt ist, stehend drei Bier innerhalb einer Stunde zu trinken. Damit bin ich aber ohne Probleme zurecht gekommen. Hier in Pennsylvania ist das ganze ein bisschen komplizierter. Man kann noch nicht mal Bier  im Supermarkt kaufen, sondern muss extra zu einem Liquor Store fahren. Ehrlich gesagt bin ich mir gerade auch nicht sicher, ob ich überhaupt so offen Wein auf der Veranda trinken darf. 
Xavier meinte zwar, dass ist wohl in Ordnung, aber Banu ist da eher skeptisch. Halte mich in der Sache eher an Xavier. Immerhin bin ich noch auf meinem eigenem Grund und Boden und da darf ich ja auch jemanden erschießen. Gerade ist auch schon der Sicherheitsdienst des College vorbeigefahren. Scheinen sich aber an meinem Wein nicht zu stören. Ach ja, hab ich ganz vergessen Banu ist  auch am College angestellt. Sie ist Schweizerin und unterrichtet Französisch.  Soweit ich weiß, ist sie ein bisschen paranoid, aber das gleicht sie durch ihre unglaublich fantastische französische Aussprache aus.  Bin jetzt allein auf der Veranda und hab mir noch ein paar Erdnüsse geholt. Die schmecken aber auch irgendwie anders als in Deutschland.  Hab jetzt mal die CD gewechselt. Trotz meiner in der WG unglaublich populären Vorliebe mir Alben 108 Mal hintereinander anzuhören, geht Clickclickdecker sogar mir irgendwann auf die Nerven. Höre jetzt ein bisschen Bob Dylan und nicht irgendein Lied, sondern das Beste des letzten Jahrhundets. Die Einschätzung kommt aber ausnahmsweise nicht von mir, sondern vom Rolling Stone Magazine. Lizzy hast du eigentlich inzwischen mal „Watchmen“ gesehen? Hab den extra Ruben mitgegeben, damit ihr euch den mal ansehen könnt. Dort ist die wahrscheinlich großartigsten Eröffnungsszene der Filmgeschichte genau mit diesem Lied unterlegt. 
Inzwischen ist auch Alba wiedergekommen. Alba ist die spanische TA und wohnt direkt neben mir. Sie kommt aus Mexiko, verträgt kaum Alkohol und malt wunderschöne Bilder mit Öl. Sie setzt sich noch ein wenig zu mir und lernt Japanisch. Muss jetzt langsam mal die Ausschweifung beenden. Kommen wir also zum eigentlichen Thema zurück. Wenn man weiß, wie man einen Text anfängt, hat man im Prinzip noch gar nichts geschafft. Denn jetzt gilt es durchzuhalten. Es gibt so viele zweitklassigen Autoren, die  eingeknickt sind, und an dieser Stelle aufgegeben haben. Klassischerweise landen solche Autoren früher oder später bei der MZ oder bei RadioQ.  Warum schreibt man also einen Blog? Der vielleicht am weitesten verbreitende Grund ist die Möglichkeit der Selbstdarstellung. Mit einem Blog zeige ich nicht nur, dass ich am Leben bin, sondern gleichzeitig wie unglaublich weltoffen, tolerant und sexy ich bin. Egal wie einsam ich in Amerika auch sein mag, in meinem Blog läuft alles nach Plan. Hier kann ich Gitarre spielen, singen und habe dazu eine perfekte englische Aussprache.  Zum Glück habe ich aber keine Tendenz, in solche Muster zu verfallen. Weiterhin bietet ein Blog die perfekte Möglichkeit, Leuten, die man nicht mag, das trügerische Gefühl zu geben, dass man sie mag. Anstatt also jedem einzeln eine Nachricht zu schreiben und so schnell sein Desinteresse zu zeigen, zeige ich hiermit nicht nur dir, sondern auch deiner Mutter, meine unglaubliche Wertschätzung. Untenrum. In Wirklichkeit schreibe ich diesen Blog aber aus einem ganz anderen Grund. Nämlich um Gerüchte über Leo zu streuen. Wenn euch also irgendwelche Geschichte über Leo zu Ohren kommen, schreibt mir einfach. Dabei ist es überhaupt nicht wichtig, ob die Gründe einen Funke von Wahrheit enthalten. Hauptsache sie handeln  von Leo und bringen ihn irgendwie in Misskredit. Ja. Leo, ich rede direkt mit dir. Wenn du dir also  wieder einmal irgendwo kleinen Feen auflauerst, so kann das echt nicht weiter gehn. Du weiß genauso wie ich, dass du nie die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär lesen, oder eine Wand von deinem Zimmer streichen wirst. Genauso wenig wirst du 24 Stunden mit Brockmann saufen oder den Alf Abend veranstalten. Das Einzige, wo ich noch Hoffnung habe, ist, dass Brockmann seine 12 Minuten Wette einlösen muss, aber selbst da bin ich skeptisch. Aber wieder zurück zu dir, Leo. Ich werde so lange falsche Information über dich verbreiten, bis du wenigstens einen Richtig-stell-Blog eingerichtet hast! Aber das bekommst du bestimmt auch nicht hin. Du kannst ja noch nicht mal ordentlich von einem Pferd steigen! Mit dieser letzten Mythenmetzschen Abschweifung neigt sich mein erster Eintrag auch schon dem Ende zu. Ach ja, eine Information habe ich euch die ganze Zeit vorgehalten. Der Preis für ein Gallone Benzin liegt zurzeit bei 2 Dollar 65.  Der nächste Eintrag steht auch schon in den Startlöchern. Er hat sogar schon einen pathetischen Titel „Meine ersten Tage in Amerika“.
Wie man leicht schließen kann, wird dieser Eintrag von meiner Ankunft in Amerika und der Einführung in Austin, Texas handeln. Für Spannung ist also gesorgt. Hoffentlich werde ich den nächsten Eintrag auch ein bisschen schneller hin bekommen, aber mal sehen. Bis jetzt ist der ganze Aufenthalt eh eher wie Urlaub für mich, bin noch gar dazu gekommen, euch all richtig zu vermissen. Das kommt aber bestimmt noch. Spätestens wenn ich auch anfangen, World of Warcraft zu spielen. Ist aber einfach nur krass, wie schnell man  in ein neues Leben rein rutscht und das Alte erst mal vergisst. In diesem Sinne, gute Nacht bzw, guten Morgen.


6 Kommentare:

  1. Wahnsinns Bild und schön das du nen blog hast. Wie es aussieht geht es dir ja richtig gut, Kathi

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  2. Ich ringe mit meinem Gewissen. Dieser Blog ist einer Missbrauchsmeldung würdig, denn:
    - er spornt zu Vernachlässigung der Gesetze eines uns fernen Landes an
    - er Verletzt das Persönlichkeitsrecht einiger ausgewählter Personen. (-->§823 BGB...so bekommt Ihr Geld vom Tobi ;)
    ...außerdem merkt man, dass man irgendwas falsch macht, wenn man seinen Ar... nicht ins Ausland bewegt..

    Spaß beiseite!
    Top Blog, ich bin gespannt auf den Nächsten Eintrag.

    BG,
    D.

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  3. Wenn es ihn geben würde, würde ich dir hier jetzt nen "Like-Button" wie bei Facebook hinsetzen!
    Claudia

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  4. You Rock!

    Schön dass es nen Blog gibt, schön was du schreibst und sehr schön, dass es dir gut geht. Heute abend soll es übrigens soweit sein: Brockmann haut seine 12-Minuten-Wette raus... Es bleibt spannend.

    Bis denne
    Ruben

    PS: Die Kamera lief doch immer... bist du sicher, dass du nich einfach die Funktionstasten bedienen musst? Sonst schau mal ob die Kamera in Cheese funktioniert. Dann hats vielleicht nur was mit Skype zu tun. Whatever. Ich verbitte mir Ubuntu in diskredit zu bringen :D

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  5. Sehr schön elaborierte Ausführungen, Tobi ;)
    Freu mich schon deinen Werdegang in USA mitverfolgen zu können, und fix mal dein skype, man kann dich nicht finden. Falls dies geschehen, könnte man ja mal ne session starten!

    liebe grüße
    steff

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