Samstag, 12. März 2011

Scheidenwischer

Manchmal geschehen tatsächlich Wunder.  Ich sitze im Flugzeug nach Cancun und habe freien Internetzugang. Deshalb kann ich nicht nur diesen Eintrag schreiben, sondern mir gleichzeitig  auch die Bundesligakonferenz anschauen. Gestern hat der 1. FC Köln den FC Bayern ja eine Steilvorlage für den Sturm auf den dritten Platz gegeben. Mal schauen, was sie heute daraus machen. Hinter mir liegt mal wieder eine Nacht auf einem Flughafen.  Weil ich gestern Mittag noch unterrichten musste, gab es leider keine direkte Verbindung mehr nach Mexiko. Deshalb musste ich mich mit dem kalten Boden des Flughafens vorlieb nehmen. Mein Nacken und Rücken danken es mir gerade. Wirklich viel Schlaf habe ich auch nicht bekommen. Nicht unbedingt wegen den äußeren Bedingungen, sondern eher wegen der Gefahr zu verschlafen. Irgendwie habe ich beim Packen vergessen, einen Wecker mitzunehmen. Dementsprechend panisch bin ich alle paar Stunden aufgewacht und habe mit kalten Angstschweiß die Uhrzeit gecheckt. Eigentlich hat man für solche Gelegenheiten ein Handy.  Leider habe ich meins letzte Woche verloren. Ironischer Weise hatte ich das in New York noch für zwanzig Dollar zurück gekauft, nachdem ich das in der U-Bann verloren hatte. Nun, zwei Monate später, ist es endgültig weg.  Immerhin führen jetzt die Bayern  gegen Hamburg. Deshalb muss ich jetzt auch langsam aufhören. Leider hält mein Akku nur noch 45 Minuten und die wollte ich mir für die Schlussphase aufbewahren. Deswegen nur noch  eine kurze Geschichte zum Scheidenwischer.  Es ist passiert. Ich habe den schlimmsten Fehler begangen, den ein Lehrer machen kann. Ich habe eine Schülerin vor der versammelten Klasse ausgelacht. Aber bildet auch selber ein Urteil. Vielleicht als Vorwissen. Ich habe letzte Woche Relativsätze eingeführt und das Oberthema dieser Lektion ist das Auto. In der besagten Studenten ging es dann darum, die verschiedenen Begriffe am Auto einzuführen.

Ich: Wie heißt das Fenster im Auto? (Kurzes Zögern, dann nach einigen qualvollen Sekunden erbarmt sich ein Student)
Peter*:Scheibe?
Ich: Genau. Sehr Gut. Wie heißt nun die Sache, die die Scheiben sauber macht? Also der Name? (versuche mit schwingende Armbewegungen die Sache zu verdeutlichen)
Hans: Windscreen wiper.
Ich: Dein Englisch ist sehr gut. Jetzt aber Deutsch bitte. Weiß es jemand? Lara vielleicht?
Lara: (Ganz leise) Vielleicht Scheidenwischer?
Ich: (kann sich das lächeln nicht verkneifen) Sorry.Was hast du gesagt?
Lara: (Nun lauter) Scheidenwischer.
Ich: (fängt laut an zu lachen) Scheidenwischer!?!
Lara: (sinkt vor Scham in den Boden) What did I say wrong?
Ich: Nothing, you just said ...(kann sich vor Lachen nicht mehr halten) ….
Lara: What, please tell me! (Inzwischen ist auch der Rest der Klasse aufgewacht und will wissen, warum ich vor Lachen fast auf den Boden liege.)
Ich: I mean (immer wieder von Lachanfällen unterbrochen) you just said vagina cleaner instead of widescreen wiper.
Klasse: (alle fangen an zu lachen) Scheidenwischer!

Zum Glück war die Stunde danach auch fast zu Ende. Im Herzen bin ich halt immer noch ein kleiner Junge. Und immerhin. Diese Vokabel vergessen die Studenten bestimmt nicht so schnell.  

*Namen wurden natürlich geändert. Es gibt keinen Peter in meiner Klasse.

Leider ist kurz vor der zweiten Halbzeit die Internetverbindung zusammen gebrochen. Wunder halten halt meistens nicht besonders lange. Inzwischen bin ich trotz meiner bescheidenen Spanischkentnissen in Mexiko angekommen. Das Wetter ist perfekt, die Drinks angerichtet und Bayern hat Hamburg noch richtig aus dem Stadion geprügelt. Lasst die Party beginnen.

3 Kommentare:

  1. Als ich den Titel zuerst las dachte ich ja nach "ach du scheiße nun hat er Deutsch verlernt" aber nun versuche ich die ganze Zeit mir so einen Scheibenwischer im Kopfkino vorzustellen. Was bleibt da noch außer AWESOME!

    Aber über deine Schüler/innen solltest du wirklich nicht lachen! Sonst gibt was mit dem Scheidenwischer auf den Deckel!

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